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Was sind Zivilisationskrankheiten?

Als Zivilisationskrankheiten bezeichnet mal die Krankheiten, die in Folge der heutigen Zivilisation auftreten. Dazu vergleichen wir einmal die Menschheitsgeschichte mit denen der letzten 80 Jahre und ziehen dann Rückschlüsse auf die unterschiedlichen Verhaltensweisen im Hinblick auf die Ernährung und den Bewegungsanteil.

Vom Anbeginn der Menschheit musste der Mensch seine Nahrung jagen, d.h. es war ein hohes Maß an Bewegung und Kraft erforderlich, um Nahrung zu bekommen. Der Lohn war meist relativ eingeschränkt: Kräuter, Pflanzen, Früchte, Fleisch und Fisch. Der Mensch bzw. der menschliche Organismus hat über tausende Jahre gelernt, diese Nahrungsmittel optimal zu verarbeiten, oder anders ausgedrückt: der Mensch hat gelernt, die Nahrungsmittel zu verzehren, die er verträgt, die verfügbar waren und die ausreichend Kraft und Energie geliefert haben.

Mit der Entdeckung des Feuers entdeckte der Mensch auch die Möglichkeit, Nahrung vor dem Verzerr zu garen (dies geschah eher durch Zufall, da verbrannte Tierkadaver den Geruchssinn des Menschen neugierig machten). Auch wenn der Mensch dadurch in der Lage war, andere, neue Nahrungsmittel zu konsumieren, war die Beschaffung unverändert aufwendig.

Selbst als der Mensch begann, Pflanzen, Kräuter und Getreide anzubauen, war dies nicht ohne Arbeit - also Kraft und Energieaufwand - möglich.

Man kann also sagen, dass die aufwendige Nahrungsbeschaffung immer optimale physische und gesundheitliche Bedingungen erforderte. Waren die Jäger längere Zeit krank, nicht stark genug oder hätten einfach keine Lust mehr zu jagen, wären die Familien verhungert.

Heute sieht das anders aus. Nahrungsmittel müssen nicht mehr gejagt, gepflanzt, angebaut oder gesucht werden. Der Weg zum Supermarkt ist mit nur wenigen Schritten möglich, da das Auto die Überwindung der Distanz erheblich vereinfacht. Alle Nahrungsmittel sind binnen weniger Minuten auf hunderten Quadratmetern erreichbar.

Ein erster großer Unterschied hinsichtlich der Nahrungsbeschaffung zu früheren Zeiten ist der heutzutage bestehende Überfluss an Nahrungsmitteln und die nicht mehr bestehende Erforderlichkeit, einen energetischen Aufwand für die Nahrungsbeschaffung leisten zu müssen.

Bevor ich auf die Folgen dieser Umstände zu sprechen komme, möchte ich noch auf eine weitere Ursache für den erheblichen Bewegungsmangel von heute aufmerksam machen.

Typische Eigenschaften des zivilisierten Lebens im industriellen Westen sind die Wichtigkeit der Arbeit, die in aller Munde bekannte Zeitknappheit, der arbeitsbedingte Stress und das Streben nach finanzieller Sicherheit. Damit einher kommen weitere Faktoren, die zu den sogenannten Zivilisationskrankheiten führen, auf die ich im Weiteren näher eingehen werde.

Neben dem Überfluss an Nahrung führen heutzutage auch die meisten Jobs dazu, dass unsere Energie mehr und mehr verloren geht. Viele Menschen sitzen die meiste Zeit des Tages vor einem Computer. Dies ist damit zu begründen, dass der Mensch in der Lage war, Maschinen zu bauen, die 24 Stunden am Tag ohne Essen, ohne Trinken, ohne Pause und ohne Schlaf die Arbeiten verrichten können, die davor noch von Menschen geleistet werden musste. Heute können wir Maschinen bequem und ohne körperliche Anstrengung, in einem Bruchteil der Zeit und sitzend vom Computer aus bedient und gesteuert werden. Ein toller Fortschritt der Menschheit, wenn das nicht mit erheblichen Konsequenzen verbunden wäre. Welche Nachteile das auf unsere Gesundheit hat, wird erst heute richtig klar.

Sowohl die bequeme und recht aufwandslose Art der Nahrungsbeschaffung, als auch die permanente sitzende Tätigkeit lassen unsere Muskeln erschlaffen, denn der Körper merkt schnell, welche Muskeln nicht oder nicht mehr beansprucht werden. Da alle Muskeln in unserem Körper permanent Energie benötigen und mit Sauerstoff versorgt werden müssen, sorgen Botenstoffe im Körper einfach dafür, dass alle diese unbeanspruchten Strukturen abgebaut werden. Diese Taktik liegt immer noch in unseren Genen, denn der Körper ist über Jahrtausende darauf getrimmt, nur die Energie bereitzustellen, die benötigt wird und gleichzeitig die Energie einzusparen, die nicht abgerufen wird.

Weiterhin führen mangelnde Bewegung und eine permanent sitzende Körperhaltung dazu, dass unsere passiven Strukturen aufgrund der fehlenden muskulären Beanspruchung schneller abnutzen, Nerven durch die Fehlhaltung eingeklemmt werden, Knorpel durch länger anhaltende einseitige Belastungen schneller abgerieben wird, Sehnen und Bänder sich aufgrund fehlender Reizung verkürzen und unser gesamtes Herz-Kreislauf-System aufgrund des schlafähnlichen Zustandes im Sitzen an Leistungsfähigkeit verliert.

Jeder, der hauptberuflich sitzt, kennt das Gefühl, wenn man nach Stunden mal aufsteht und einige Treppen steigen muss: die Knie schmerzen beim Aufstehen, der Körper fühlt sich steif und unbeweglich an, der Puls schießt plötzlich nach oben und obwohl man die Treppen nur langsam geht ist man oben angekommen noch nicht in der Lage, 2 Sätze am Stück zu sprechen, da man nach Luft schnappen muss. Dies alles sind Anzeichen dafür, dass der Körper bereits damit begonnen hat, alle nicht beanspruchten Strukturen abzubauen, um Energie zu sparen, die nicht gebraucht wird.

Ich habe nun einige Beispiele aufgeführt, die „typisch“ sind für ein hochindustrielles und zivilisiertes Zeitalter:

- Minimaler Energieaufwand für Nahrungsbeschaffung

- Nahrungsüberschuss

- Mangelnde Bewegung und permanente Fehlhaltungen

Zu dem Überfluss an Nahrung (Überfluss = mehr Nahrung verfügbar, als benötigt wird) kommen noch die Luxusartikel. Ich bezeichne diese Artikel deswegen so, weil unser Körper eigentlich komplett darauf verzichten könnte. Es ist sogar so, dass sie uns erheblich schaden. Die Rede ist von Schokolade, Chips, Gummibärchen, Pizza, Schweinebauch etc. Der Teufel hat viele Namen, viele Verpackungen und viele Geschmäcker. Unterm Strich haben aber alle diese Produkte 2 Dinge gemeinsam:

- Firmen verdienen damit viel Geld

- Diese Produkte machen den Menschen krank

Das Hauptmerkmal fast aller Produkte ist der Energiegehalt. Entweder übermäßig fettig (meistens nicht natürlichen Urspungs, in überhöhten Dosen und als Geschmacksverstärker) oder übermäßig süß (raffinierter Zucker, ebenfalls nicht natürlichen Ursprungs). Häufig ist fettig und süß auch in Kombination vorzufinden.

Diese hohe Energiedichte (viele Kalorien auf wenig Masse) liefert uns sehr viel Energie, Energie, die wir nicht benötigen, da wir zum Einkaufen das Auto benutzen und den restlichen Tag nur vor dem Computer sitzen müssen (überspitzt formuliert).

Man erkennt nun, dass der menschliche Körper hier direkt doppelt belastet wird:

- Zum einen navigiert der seit Anbeginn der Menschheit auf Bewegung ausgelegte Körper immer mehr auf Bewegungslosigkeit zu

- Zum anderen wird im Zuge der Nahrungsaufnahme trotz des geringeren Energiebedarfs aufgrund der fehlenden Bewegung die Energiedichte und damit die Energiemenge erhöht.

Das ist so, als würde man einen weniger dehnbaren Luftballon mit mehr Luft füllen wollen. Die gleiche Menge Luft wäre schon problematisch, aber mehr Luft kann nur böse für den Ballon enden…

Sicherlich gibt es noch weitere bedrohliche Dinge, die das zivilisierte Leben so mit sich bringt, aber dennoch ist es so, dass ich heute darüber schreibe. Somit wissen auch andere Menschen um diese Problematik, was mich hoffen lässt, dass der Mensch nur eine andere Richtung einschlägt.

Aber was hat es denn nun mit diesen Zivilisationskrankheiten auf sich?

Nach den oben aufgeführten Ausführungen muss man eigentlich nur noch 1 und 1 zusammenzählen oder einfach den Ballon aufpusten.

Durch das im Vergleich zu früher erhebliche Defizit an Bewegung verbraucht unser Körper in der Folge auch weniger Energie. Eigentlich bedeutet das, dass wir weniger Nahrung aufnehmen müssen. Aufgrund des Nahrungsüberflusses ist aber das Gegenteil der Fall. Wir konsumieren im Durchschnitt viel mehr Nahrung bzw. Energie (in Form von Kalorien), als wir eigentlich benötigen. Die Folge ist, dass wir dicker werden, dass sich unser Körperfettanteil drastisch erhöht und dass unsere Organe mehr und mehr verfetten.

Da unsere gesamten Körperstrukturen (Muskeln, Sehnen, Bänder, Knochen, HKS et.) schon durch den Bewegungsmangel nur noch eingeschränkt funktionieren, führt die konsumbedingte Überernährung letztlich zu Spitzenbelastungen unseres Körpers.

- Das Herz muss stärker schlagen, obwohl es eigentlich keine Leistung erbringen muss, da keine Leistung abgefordert wird, die durch Bewegung initiiert würde

- Die Organe haben Mühe zu 100% zu funktionieren, da es durch die energiereiche Kost häufig an Nährstoffen mangelt, die für eine gute Vitalität benötigt werden. Eine übermäßige Verfettung der Organe kann zu verschiedenen Krebsarten führen.

- Ein übermäßiger Zuckerkonsum führt u.a. zu dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten und zu einem erhöhten Blutzuckerhormonspiegel. Dies hat zur Folge, dass das Sättigungsgefühl „überhört“ wird und man weiter Hunger hat und das Körpergewicht demzufolge weiter steigt.

- Eine recht häufige Folge von hohem Zuckerkonsum, hohem Übergewicht und Bewegungsmangel ist Diabethes Typ-II (gestörte Insulinausschüttung und Unempfindlichkeit gegenüber Insulin)

- Gleichermaßen werden die Organe mit chemischen Zusatzstoffen konfrontiert, die durch viele künstlich erstellte Nahrungsmittel konsumiert werden. Diese beeinflussen den gesamten Organismus (Herz, Blut, Leber, Nieren etc.)

- Diese drastische Ernährungsumstellung (80 Jahre Industriezeitalter gegenüber Millionen Jahre Menschheit) führt zu vielen Allergien und Unverträglichkeiten, bedingt durch künstliche Erzeugnisse und chemische Zusätze

- Der Stoffwechsel, der durch den Bewegungsmangel nur eingeschränkt funktioniert, ist nicht mehr im Stande, große Mengen an Energie zu verbrennen, welche durch die Nahrung zugeführt wird, was wiederum zur Folge hat, dass sich die Fettpolster unter der Haut und um die Organe weiter ausdehnen

- Mangelnde Bewegung, Übergewicht und Stress führen häufig zu Bluthochdruck

- Die mangelnde Belastung durch Bewegung hat dazu geführt, dass sich unsere Knochendichte und –stabilität verringert hat. Die ernährungsbedingte Gewichtszunahme führt zu erheblichen Überbelastungen unserer Knochenstrukturen und auch der anderen passiven Strukturen (Sehnen, Bänder, Knorpel etc.). Dies führt häufig schon bei geringem Bewegungsaufwand zu Verletzungen, zu Wirbelverformungen, zu Nervenquetschungen und zu schlimmerem

- Alltägliche Belastungen führen bei Übergewicht häufig zu Verletzungen der Muskeln bzw. Muskelfasern, der Bänder oder der Sehnen

- Die steigende Verfettung unserer Organe führt zu diversen Folgekrankheiten (Krebs, Organversagen)

- Da der Körper Bewegung im eigentlichen Sinne verlernt hat, führen schon kleinste Alltagsbewegungen zu erheblichen Verletzungen (Eimer Wasser anheben = Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall, Schulterblick = Nackenversteifung, Treppe laufen = HKS-Überlastung, Umknicken = Bänderriss, dem Hund hinterherlaufen = Muskelfaserriss, mit dem Kind fangen spielen = Herzinfarkt etc.)

Was macht diese Krankheiten zu sogenannten Zivilisationskrankheiten? Wer die typischen Eigenschaften der zivilen und industriellen Gesellschaft kennt und diesen etwas entgegenwirkt (z.B. durch regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung), der kann das Risiko drastisch verringern, an den meisten der o.a. Krankheiten zu erkranken.

Im Grunde reicht es schon, wenn man eine Balance zwischen dem täglichen Energiebedarf und der sich zuführenden Energiemenge findet und sich parallel dazu 3-4 mal pro Woche 30-45 min intensiv bewegt oder Sport treibt.

   
© Markus Glaetzner